Die überbetriebliche Ausbildung ergänzt die duale Ausbildung um Inhalte, die dein Ausbildungsbetrieb nicht selbst vermitteln kann. Du lernst sie in Lehrgängen an einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte, zum Beispiel in einem Bildungszentrum deiner Branche. Das betrifft vor allem Azubis in kleinen und mittleren Betrieben. Die Lehrgänge sind planmäßig aufgebaut und zählen zu deiner Ausbildungszeit.
Was ist die überbetriebliche Berufsausbildung?
Die überbetriebliche Berufsausbildung ist kein eigener Ausbildungsweg. Sie ist ein fester Baustein der dualen Ausbildung im Betrieb. Rechtsgrundlage ist § 5 Abs. 2 Nr. 6 Berufsbildungsgesetz (BBiG), im Handwerk § 26 Abs. 2 Nr. 6 Handwerksordnung (HwO). Danach kann die Ausbildungsordnung eines Berufs festlegen, dass Teile der Ausbildung in geeigneten Einrichtungen außerhalb der Ausbildungsstätte stattfinden. Ist das für deinen Beruf vorgesehen, musst du an den Lehrgängen teilnehmen.
Im Handwerk heißt dieser Teil überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, kurz ÜLU oder überbetriebliche Unterweisung. Neben Betrieb und Berufsschule ist die überbetriebliche Ausbildungsstätte damit ein dritter Lernort. In den Lehrgängen vertiefst du, was du im Betrieb lernst, und holst Arbeiten nach, die dein Betrieb selten oder gar nicht ausführt. So erreichen alle Azubis eines Berufs denselben Stand, egal wie groß ihr Betrieb ist.
Innerbetriebliche Ausbildung und überbetriebliche Ausbildung im Vergleich
Als innerbetriebliche Ausbildung bezeichnet man den Teil, den du direkt im eigenen Betrieb lernst: am Arbeitsplatz, bei Kundenaufträgen oder in einer betriebseigenen Lehrwerkstatt. Größere Unternehmen decken auf diesem Weg viele Inhalte selbst ab. Überbetriebliche Ausbildungsstätten werden dagegen von Kammern, Innungen oder Branchenverbänden getragen. Azubis aus vielen Betrieben nutzen sie gemeinsam.
Nicht verwechseln: außerbetriebliche Ausbildung
Ähnlich klingt die außerbetriebliche Ausbildung. Hier schließt du den Ausbildungsvertrag nicht mit einem Betrieb, sondern mit einem Bildungsträger. Gefördert wird diese Form meist von der Agentur für Arbeit, und zwar für junge Menschen, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben. Überbetriebliche Lehrgänge besuchst du dagegen zusätzlich zu deiner Ausbildung im Betrieb.
Wie läuft die überbetriebliche Ausbildung ab?
Die Lehrgänge finden in Blöcken statt, meist über eine oder mehrere Wochen am Stück. Wie viele Lehrgänge und Wochen es insgesamt sind, hängt vom Beruf und von den Vorgaben für die Lehrgänge ab.
- Ausbildungszeit: Die Lehrgänge gehören zu deiner Ausbildung. Dein Betrieb muss dich dafür freistellen (§ 15 BBiG).
- Vergütung: Deine Ausbildungsvergütung wird in dieser Zeit weitergezahlt (§ 19 BBiG).
- Kosten: Die Lehrgangskosten trägt nicht du, sondern dein Ausbildungsbetrieb. Im Handwerk fördern Bund und Länder die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung zusätzlich.
- Ausbildungsnachweis: Was du im Lehrgang lernst, trägst du wie die übrige Ausbildung in deinen Ausbildungsnachweis ein.
Liegt die Ausbildungsstätte weit entfernt, frag früh nach, wie Anreise und Unterkunft geregelt sind.
Handlungsorientierte Ausbildung: Definition und Umsetzung
Ziel jeder Berufsausbildung ist nach § 1 Abs. 3 BBiG die berufliche Handlungsfähigkeit. Daraus ergibt sich die Definition der handlungsorientierten Ausbildung: Du lernst nicht einzelne Handgriffe für sich, sondern bearbeitest einen Arbeitsauftrag vollständig und möglichst selbstständig, so wie er im Berufsalltag vorkommt. In der Berufspädagogik heißt das Modell der vollständigen Handlung. Es hat sechs Schritte:
- Informieren: Du verstehst den Auftrag und sammelst, was du dafür wissen musst.
- Planen: Du legst Arbeitsschritte, Material und Werkzeug fest.
- Entscheiden: Du stimmst deinen Plan mit der Ausbilderin oder dem Ausbilder ab.
- Ausführen: Du erledigst die Arbeit.
- Kontrollieren: Du prüfst das Ergebnis selbst.
- Bewerten: Du besprichst, was gut lief und was du beim nächsten Mal anders machst.
Überbetriebliche Lehrgänge eignen sich gut für diese Art zu lernen. Dort ist Zeit zum Üben, und kein Kundenauftrag muss bis zum Abend fertig sein.
Überbetriebliche Ausbildung in spezifischen Branchen
Bauwirtschaft: Auf dem Bau wechseln die Einsatzorte ständig, deshalb lassen sich im Betrieb kaum feste Lehr- und Lernwerkstätten einrichten. Azubis in den Bauberufen besuchen daher regelmäßig Lehrgänge in überbetrieblichen Ausbildungszentren, die einen wesentlichen Teil ihrer Ausbildung ausmachen. Dort üben sie die Grundtechniken, die sie danach auf der Baustelle brauchen.
Handwerk: Die überbetriebliche Unterweisung deckt Arbeitstechniken und Geräte ab, die nicht jeder der oft kleinen Betriebe im Alltag einsetzt.
Öffentlicher Dienst: In der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten oder zum Verwaltungsfachangestellten findet der überbetriebliche Teil als Lehrgang an Verwaltungsschulen und Studieninstituten statt. Dort lernst du die fachlichen Grundlagen der Verwaltungsarbeit, die du in deiner Behörde anwendest.
| Branche | Warum überbetrieblich? | Lernort |
|---|---|---|
| Bauwirtschaft | Wechselnde Baustellen, kaum feste Lehrwerkstätten im Betrieb | Überbetriebliche Ausbildungszentren |
| Handwerk | Kleine Betriebe decken nicht alle Inhalte der Ausbildungsordnung ab | Bildungszentren von Kammern und Innungen |
| Öffentlicher Dienst (Verwaltungsfachangestellte) | Fachliche Grundlagen der Verwaltung gebündelt vermitteln | Verwaltungsschulen und Studieninstitute |
Überbetriebliche Ausbildung: Vorteile und Nachteile
Für dich als Azubi bringen überbetriebliche Ausbildungen vor allem Sicherheit: Du lernst alle Inhalte, die für deine Abschlussprüfung zählen, auch wenn dein Betrieb sie nicht anbietet. Es gibt aber auch Nachteile, für dich und für deinen Betrieb.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Ausbildungsinhalte, die dein Betrieb nicht abdeckt, werden ergänzt | Ausbildungsstätte und Betrieb liegen räumlich getrennt, oft mit längeren Fahrtwegen |
| Praxisnahe, handlungsorientierte Lehrgänge mit Zeit zum Üben | Zusätzlicher organisatorischer Aufwand für den Betrieb |
| Gleiche Ausbildungsqualität für Azubis aus großen und kleinen Betrieben | Kosten für den Betrieb, und du fehlst in dieser Zeit im Tagesgeschäft |

Mit einem Berufsabschluss stehen dir danach zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung offen, etwa die Meisterprüfung im Handwerk oder eine Fortbildung zur Fachwirtin oder zum Fachwirt.
Ausbildungsarten neben der überbetrieblichen Ausbildung
- Duale Ausbildung: Du lernst im Betrieb und an der Berufsschule. Sie ist nach BBiG oder HwO geregelt und in sehr vielen Branchen verbreitet.
- Schulische Ausbildung: Sie findet an Berufsfachschulen statt, zum Beispiel in der Physiotherapie. Die Pflege ist seit 2020 eigens geregelt: Die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann läuft nach dem Pflegeberufegesetz mit Ausbildungsvertrag und Vergütung.
- Beamtenausbildung: Im öffentlichen Dienst durchläufst du einen Vorbereitungsdienst für eine Laufbahn und erhältst Anwärterbezüge.
- Abiturientenausbildung: Sie richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber mit Abitur und verbindet einen Berufsabschluss mit einer beruflichen Zusatzqualifikation.
- Duales Studium: Du kombinierst Studium und Praxis im Unternehmen, teils mit integriertem Berufsabschluss. Die schulischen Voraussetzungen hängen vom Studiengang ab.
Überbetriebliche Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern
In MV ist für deine Ausbildung die Kammer am Sitz deines Ausbildungsbetriebs zuständig. Im Handwerk sind das die Handwerkskammer Schwerin und die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. In Industrie, Handel und Dienstleistungen sind es die IHK zu Rostock, die IHK zu Schwerin und die IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Ob für deinen Beruf überbetriebliche Lehrgänge vorgesehen sind, ergibt sich aus seiner Ausbildungsordnung.
Betriebe, die in deinem Wunschberuf ausbilden, findest du nach Landkreis im Azubi-Atlas für MV. Auf Ausbildungsmessen in MV kannst du Betriebe direkt fragen, welche überbetrieblichen Lehrgänge zur Ausbildung gehören.
Häufige Fragen
Muss ich an der überbetrieblichen Ausbildung teilnehmen?
Ja, wenn die Ausbildungsordnung deines Berufs überbetriebliche Lehrgänge vorsieht. Sie gehören dann zu deiner Ausbildung wie die Berufsschule. Dein Betrieb muss dich dafür freistellen.
Bekomme ich während der überbetrieblichen Unterweisung meine Vergütung?
Ja. Die Lehrgangszeit zählt als Ausbildungszeit, deshalb zahlt dein Betrieb die Ausbildungsvergütung weiter. Das regelt § 19 BBiG für die Zeit der Freistellung.
Wer bezahlt die Lehrgänge?
Die Lehrgangskosten trägt dein Ausbildungsbetrieb, im Handwerk unterstützt durch Förderung von Bund und Ländern. Du selbst zahlst für die Teilnahme nichts. Wie Fahrt- oder Unterkunftskosten geregelt sind, klärst du am besten vorab mit deinem Betrieb.
Was ist der Unterschied zwischen überbetrieblicher und außerbetrieblicher Ausbildung?
Bei der überbetrieblichen Ausbildung hast du einen Vertrag mit einem Betrieb und besuchst zusätzlich Lehrgänge an einer Ausbildungsstätte. Bei der außerbetrieblichen Ausbildung ist ein Bildungsträger dein Vertragspartner. Sie richtet sich meist an junge Menschen ohne betrieblichen Ausbildungsplatz.
