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Praxissemester

Das Praxissemester, auch Berufspraktisches Semester (BPS) genannt, ist ein Studienabschnitt, den du nicht im Hörsaal verbringst, sondern in einem Unternehmen, einer Behörde, einer Einrichtung oder einer Schule. Es ist vor allem an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und in einigen Lehramtsstudiengängen fest im Studienplan verankert. Du arbeitest dort mit, übernimmst eigene Aufgaben und prüfst, ob das Berufsfeld zu dir passt. Wie lange es dauert und was du am Ende vorlegen musst, legt deine Hochschule fest.

Wozu dient ein Praxissemester?

Im Praxissemester wendest du an, was du in den ersten Semestern gelernt hast. Wer zum Beispiel Betriebswirtschaft studiert, arbeitet im Controlling, im Marketing oder im Einkauf eines Unternehmens mit. Wer Maschinenbau studiert, ist in der Konstruktion oder Fertigung eingesetzt. Lehramtsstudierende unterrichten an einer Schule, zunächst begleitet, später auch in eigenen Stunden.

Das Praxissemester hat drei Aufgaben:

  • Orientierung: Du lernst den Berufsalltag kennen und merkst, welche Tätigkeiten dir liegen und welche nicht.
  • Verknüpfung von Theorie und Praxis: Du siehst, wie Methoden aus dem Studium im Betrieb oder im Unterricht tatsächlich eingesetzt werden, und bringst Fragen zurück ins Studium.
  • Berufseinstieg: Du sammelst Erfahrung, die du später im Lebenslauf angeben kannst, und lernst mögliche Arbeitgeber kennen. Manche Studierende schreiben anschließend ihre Abschlussarbeit in derselben Praxisstelle.

Oft liest man, das Praxissemester gehöre zum „Hauptstudium“. Diesen Begriff gibt es nur noch in den alten Diplom- und Magisterstudiengängen. In den heutigen Bachelorstudiengängen steht in der Studienordnung, in welchem Semester das Praxissemester liegt. Meist setzt es voraus, dass du die Grundlagenmodule der ersten Semester bereits abgeschlossen hast.

Voraussetzungen für das Praxissemester

Ob ein Praxissemester für dich Pflicht ist, steht in der Studien- und Prüfungsordnung deines Studiengangs. Viele Hochschulen haben zusätzlich eine eigene Praktikumsordnung, in der die Einzelheiten geregelt sind.

Üblich sind diese Voraussetzungen:

  • Du hast eine bestimmte Zahl an ECTS-Punkten für die Zulassung erreicht.
  • Du hast bestimmte Module erfolgreich abgeschlossen, meist die Grundlagenmodule der ersten Semester.
  • Die Praxisstelle passt fachlich zu deinem Studium und wird von der Hochschule anerkannt.
  • Die vorgeschriebene Mindestdauer ist eingehalten.

Die genauen Werte unterscheiden sich je nach Hochschule und Studiengang, bei Lehramtsstudiengängen auch je nach Bundesland. Informiere dich deshalb rechtzeitig, am besten zwei Semester vorher, beim Praktikantenamt oder Praxisbüro deiner Hochschule oder bei der zuständigen Praktikumsbeauftragten bzw. dem Praktikumsbeauftragten deines Fachbereichs. Dort erfährst du auch, ob du deine Praxisstelle vorher genehmigen lassen musst.

Im Lehramtsstudium gibt es das Praxissemester nur in einigen Bundesländern. Es ist dort Teil des Studiums und nicht des Vorbereitungsdienstes (Referendariat), der erst nach dem Studium beginnt. Ziel ist, früh zu prüfen, ob dir der Lehrberuf liegt.

Ablauf des Praxissemesters

Das Praxissemester dauert in der Regel vier bis sechs Monate. Während dieser Zeit bleibst du an deiner Hochschule eingeschrieben, besuchst aber kaum oder gar keine Lehrveranstaltungen. Den genauen Ablauf des Praxissemesters bestimmt deine Hochschule. Häufig sieht er so aus:

  1. Vorbereitung: Du suchst dir eine Praxisstelle, bewirbst dich und schließt mit ihr einen Praktikumsvertrag. Viele Hochschulen bieten vorher Infoveranstaltungen oder ein Vorbereitungsseminar an.
  2. Anmeldung: Du meldest das Praxissemester bei der Hochschule an und reichst, wenn verlangt, den Vertrag oder eine Bestätigung der Praxisstelle ein.
  3. Praxisphase: Du arbeitest im Unternehmen oder an der Schule mit und übernimmst nach der Einarbeitung eigene Aufgaben.
  4. Abschluss: Du erhältst eine Bescheinigung der Praxisstelle und erfüllst die Abschlussanforderungen deiner Hochschule, zum Beispiel einen Praktikumsbericht, eine Präsentation oder ein Abschlussgespräch.

Betreuung durch Hochschule und Praxisstelle

Während des Praxissemesters wirst du von zwei Seiten betreut. In der Praxisstelle gibt es eine Ansprechperson, die dich einarbeitet und deine Aufgaben festlegt; an Schulen ist das meist eine Mentorin oder ein Mentor aus dem Kollegium. An der Hochschule begleitet dich eine Professorin oder ein Professor bzw. eine Betreuerin oder ein Betreuer. Sie oder er ist für dich da, wenn es Fragen oder Probleme gibt, und bewertet am Ende deinen Bericht.

Regelmäßige Gespräche helfen dir, deine Fortschritte einzuschätzen: Was hast du schon selbstständig erledigt, wo brauchst du noch Unterstützung? Halte Aufgaben, Ergebnisse und offene Fragen schon während der Praxisphase fest. Das erleichtert dir später den Praktikumsbericht.

Formen des Praxissemesters

Je nach Hochschule und Studiengang ist das Praxissemester unterschiedlich organisiert. Drei Formen kommen häufig vor.

Blockform

In der Blockform absolvierst du das Praxissemester als eine zusammenhängende Phase. Das ist die gängigste Variante. Du bist mehrere Monate am Stück in der Praxisstelle und lernst Abläufe, Kolleginnen und Kollegen sowie Projekte gründlich kennen. Im Lehramt legen Hochschule und Bundesland fest, in welchem Teil des Schuljahrs der Block liegt.

Modulform

In der Modulform sind die Praxiszeiten auf zwei Module verteilt, die in der vorlesungsfreien Zeit stattfinden. So sammelst du praktische Erfahrung in verschiedenen Phasen des Studiums und kannst das Gelernte zwischendurch anwenden. Dafür ist jede einzelne Praxisphase kürzer, und die vorlesungsfreie Zeit steht dir nicht für Prüfungsvorbereitung, Hausarbeiten oder einen Nebenjob zur Verfügung.

Block oder Module: zwei Wege durch das PraxissemesterBlock oder Module: zwei Wege durchdas PraxissemesterBlockformModulformAufteilungeinezusammenhängendePhasezwei ModuleZeitraummehrere Monate amStückvorlesungsfreie ZeitStärkegründlicher Einblick inAbläufePraxis in mehrerenStudienphasenHakenein Semester ohneVorlesungenweniger Zeit fürPrüfungenQuelle: Studien- und Praktikumsordnungen derHochschulen
Welche Form für dich gilt, legt die Studienordnung deines Studiengangs fest.

Jenaer Modell der Lehrerbildung

Im Jenaer Modell der Lehrerbildung ist das Praxissemester eng mit dem Studium an der Universität verknüpft. Die Studierenden arbeiten an Schulen und werden dabei sowohl von Lehrkräften der Schule als auch von Dozentinnen und Dozenten der Universität betreut. So sollen Erfahrungen aus dem Unterricht und Inhalte aus dem Studium direkt aufeinander bezogen werden.

Welche Form für dich gilt, kannst du meist nicht frei wählen: Sie steht in der Studienordnung deines Studiengangs.

Praxissemester im Ausland

Viele Hochschulen erlauben, das Praxissemester im Ausland zu absolvieren. Du arbeitest dann in einem Unternehmen, einer Organisation oder einer Schule in einem anderen Land, verbesserst deine Sprachkenntnisse und lernst andere Arbeitsweisen kennen. Arbeitgeber achten bei Bewerbungen oft darauf, ob du Erfahrung im Ausland und im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen mitbringst. Kontakte aus dieser Zeit können dir später bei der Jobsuche oder in internationalen Projekten helfen.

Plane ein Auslandspraxissemester mit mehr Vorlauf als eines in Deutschland. Kläre zuerst mit deiner Hochschule, ob die Stelle anerkannt wird. Das International Office deiner Hochschule kennt Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen und Unternehmen und berät dich zur Finanzierung. Für Praktika in Europa ist eine Förderung über das Programm Erasmus+ möglich. Bewirb dich früh, denn Plätze über Partnerprogramme sind oft schnell vergeben.

Vorteile Herausforderungen
Internationale Erfahrung sammeln Fremde Sprache und Kultur im Alltag
Sprachkenntnisse verbessern Einarbeitung in eine neue Arbeitsumgebung
Interkulturelle Kompetenz entwickeln Visum, Versicherung und weitere Formalitäten
Neue Arbeitsweisen kennenlernen Kosten für Anreise, Unterkunft und Lebenshaltung
Praxissemester im Ausland
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Bewerbung für das Praxissemester

Um deine Praxisstelle kümmerst du dich in den meisten Studiengängen selbst. Schau zuerst in die Vorgaben deiner Studienordnung: Welche Tätigkeiten werden anerkannt, wie lange muss die Stelle dauern, bis wann musst du sie melden? Danach recherchierst du passende Unternehmen, Einrichtungen oder Schulen und informierst dich über deren Tätigkeitsfelder und Anforderungen.

Zu einer vollständigen Bewerbung gehören in der Regel:

  • ein Anschreiben oder Motivationsschreiben, das zeigt, warum du gerade dort dein Praxissemester machen willst,
  • ein tabellarischer Lebenslauf,
  • eine aktuelle Leistungsübersicht der Hochschule und dein Schulabschlusszeugnis,
  • gegebenenfalls Nachweise über frühere Praktika, Nebenjobs oder Sprachkenntnisse.

Nicht jede Praktikumsstelle wird öffentlich ausgeschrieben. Frag bei Dozentinnen und Dozenten, älteren Studierenden und deinem Praxisbüro nach, wo andere ihr Praxissemester gemacht haben. Auch eine Initiativbewerbung bei einem Betrieb, der zu deinem Studium passt, kann zum Ziel führen. Persönliche Kontakte, etwa von Messen oder aus Projekten, helfen dir, an Stellen zu kommen, von denen du sonst nichts erfahren hättest.

Anforderungen und Richtlinien für die Bewerbung

Die genauen Anforderungen und Richtlinien für die Bewerbung unterscheiden sich je nach Hochschule und Studiengang. Manche Hochschulen stellen Formulare, Musterverträge oder Leitfäden bereit, die dir beim Erstellen der Unterlagen helfen. In Lehramtsstudiengängen werden die Schulplätze teilweise zentral vergeben; dann bewirbst du dich nicht bei der Schule, sondern meldest dich über ein Portal oder das Praktikumsbüro deiner Hochschule an.

Halte die Fristen der Hochschule und der Praxisstelle ein. Prüfe vor dem Absenden, ob Adresse und Ansprechperson stimmen und ob alle Anlagen beiliegen. Schick deine Bewerbung als PDF in einer Datei, wenn das Unternehmen nichts anderes verlangt.

Arbeitszeit und Vergütung im Praxissemester

Deine Arbeitszeit richtet sich meist nach der regulären Arbeitszeit in der Praxisstelle. In einem Unternehmen arbeitest du also häufig in Vollzeit, an einer Schule richtet sich dein Tag nach dem Stundenplan und den Konferenzen. Die genauen Zeiten legt dein Praktikumsvertrag fest. Lies ihn vor der Unterschrift genau durch.

Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Vergütung hast du im Praxissemester nicht, weil es ein Pflichtpraktikum laut Studienordnung ist. Nach § 22 Mindestlohngesetz gilt der Mindestlohn für Praktika, die eine Hochschul- oder Studienordnung vorschreibt, nicht. Auch die Mindestausbildungsvergütung nach dem Berufsbildungsgesetz gilt hier nicht, denn sie betrifft nur Berufsausbildungen. Viele Unternehmen zahlen trotzdem freiwillig eine monatliche Vergütung oder Aufwandsentschädigung; die Höhe ist sehr unterschiedlich. Frag im Vorstellungsgespräch danach. Im Lehramts-Praxissemester an Schulen gibt es in der Regel keine Vergütung.

Das Praxissemester ist als Lernphase gedacht, nicht als Einkommensquelle. Plane deine Finanzierung deshalb vorher. Weil das Praxissemester zum Studium gehört, kannst du für diese Zeit grundsätzlich weiter BAföG erhalten; ob und wie eine Vergütung angerechnet wird, klärt dein BAföG-Amt. Daneben kommen Stipendien für Studierende oder Unterstützungsangebote deiner Hochschule infrage. Ein Pflichtpraktikum während des Studiums ist in der Regel sozialversicherungsfrei, du bleibst also über deine studentische Krankenversicherung versichert. Den Semesterbeitrag zahlst du weiter, weil du eingeschrieben bleibst; die aktuelle Höhe nennt deine Hochschule.

Praxissemester in Mecklenburg-Vorpommern

Wenn du in Mecklenburg-Vorpommern studierst oder studieren willst, findest du in den Hochschulprofilen für MV einen Überblick über die Hochschulen im Land. In der Studien- oder Praktikumsordnung deines Studiengangs steht, ob ein Praxissemester vorgesehen ist und wann es stattfindet. Ansprechpartner sind das Praktikantenamt oder Praxisbüro deiner Hochschule.

Für die Suche nach einer Praxisstelle in MV kann der Azubi-Atlas mit Betrieben nach Landkreis ein Ausgangspunkt sein. Dort findest du Ausbildungsbetriebe aus Mecklenburg-Vorpommern, sortiert nach Landkreis. Ob ein Betrieb auch Studierende im Praxissemester aufnimmt, fragst du direkt dort an. Auf Ausbildungs- und Studienmessen, die im Terminkalender des Portals stehen, kannst du Unternehmen auch persönlich ansprechen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Praxissemester?

Meist vier bis sechs Monate, also ungefähr ein Semester. Die genaue Mindestdauer steht in der Studien- oder Praktikumsordnung deines Studiengangs. Bei der Modulform ist die Zeit auf mehrere kürzere Phasen verteilt.

Bekomme ich im Praxissemester Geld?

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht, auch der Mindestlohn gilt für Pflichtpraktika nicht. Viele Unternehmen zahlen freiwillig eine Vergütung oder Aufwandsentschädigung. Frag am besten vor Vertragsabschluss nach.

Muss ich mir die Stelle für das Praxissemester selbst suchen?

In den meisten Studiengängen ja. Deine Hochschule muss die Stelle aber meist anerkennen, bevor du anfängst. In Lehramtsstudiengängen werden Schulplätze teilweise zentral vergeben.

Kann ich das Praxissemester im Ausland machen?

Viele Hochschulen erlauben das, wenn die Stelle fachlich zum Studium passt. Kläre die Anerkennung vorher mit deiner Hochschule und lass dich vom International Office zur Finanzierung beraten. Plane dafür mehr Vorlauf ein als für eine Stelle in Deutschland.

Was muss ich nach dem Praxissemester abgeben?

Üblich sind eine Bescheinigung der Praxisstelle und ein Praktikumsbericht. Manche Hochschulen verlangen zusätzlich eine Präsentation oder ein Abschlussgespräch. Was genau gilt, steht in der Praktikumsordnung.

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