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Abschlusszeugnis: Bedeutung, Struktur und Nutzung

Das Abschlusszeugnis bescheinigt, dass du eine Schule, eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich beendet hast. Es nennt deinen Abschluss, deine Fächer und deine Noten. Bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz, einen Studienplatz oder eine Stelle gehört es zu den wichtigsten Unterlagen. Hier erfährst du, was drinsteht, welche Arten es gibt und wie du richtig damit umgehst.

Was ist ein Abschlusszeugnis?

Für Abschlusszeugnisse gilt diese Definition: Es ist ein amtliches Dokument, das eine Schule, eine zuständige Stelle wie die Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer oder eine Hochschule ausstellt. Es bestätigt, dass du einen bestimmten Bildungsgang mit Erfolg abgeschlossen hast. Damit unterscheidet es sich von einem Halbjahres- oder Jahreszeugnis, das nur den Stand innerhalb eines Schuljahres zeigt.

Verlässt du eine Schule, ohne den angestrebten Abschluss zu erreichen, bekommst du in der Regel ein Abgangszeugnis. Es listet deine Noten auf, bescheinigt aber keinen Abschluss. Für den weiteren Weg zählt deshalb vor allem das Abschlusszeugnis: Es ist der Nachweis, dass du die Voraussetzung für die nächste Stufe erfüllst, etwa für eine Ausbildung, eine weiterführende Schule oder ein Studium.

Aufbau und Struktur des Abschlusszeugnisses

Ein schulisches Abschlusszeugnis folgt einem festen Aufbau, den das jeweilige Bundesland vorgibt. Typisch sind diese Angaben:

  • die Bezeichnung des Dokuments und des erworbenen Abschlusses
  • der Name der Schule und die Schulform
  • dein Name und dein Geburtsdatum
  • das Schuljahr beziehungsweise die Klassenstufe
  • die Fächer mit den erreichten Noten, bei Prüfungen oft getrennt nach Prüfungsfächern
  • Bemerkungen, zum Beispiel zu Wahlpflichtfächern oder Arbeitsgemeinschaften
  • Ort, Datum, Unterschriften und das Siegel der Schule

Die Noten werden in der Sekundarstufe I mit Ziffern von 1 bis 6 angegeben, oft zusätzlich ausgeschrieben. Jede Ziffer steht für eine feste Bezeichnung:

Note Bezeichnung
1 sehr gut
2 gut
3 befriedigend
4 ausreichend
5 mangelhaft
6 ungenügend

In der gymnasialen Oberstufe werden Leistungen dagegen in Punkten von 0 bis 15 bewertet. Auf dem Abiturzeugnis steht am Ende eine Durchschnittsnote, die aus der Gesamtpunktzahl berechnet wird. Diese Abiturnote ist bei zulassungsbeschränkten Studiengängen oft entscheidend.

Wie das Zeugnis im Detail aussieht, unterscheidet sich je nach Bundesland und Schulform. Das Muster legt nicht die Schülerin oder der Schüler fest, sondern die Schule nach den Vorgaben des Landes.

Besondere Ausprägungen: welche Abschlusszeugnisse es gibt

Ein Abschlusszeugnis gibt es auf jeder Stufe deines Bildungswegs. Je nach Schulform und Bildungsgang heißt es anders und bescheinigt etwas anderes.

Schulabschlüsse

Die Bezeichnungen der allgemeinbildenden Abschlüsse und die Schulformen, an denen du sie erwirbst, sind nicht in allen Bundesländern gleich. Die folgende Übersicht nennt die Abschlüsse in ihrer allgemeinen Form. Wie sie in deinem Land genau heißen und welche Schule sie vergibt, erfährst du an deiner Schule.

Abschluss Wo du ihn erwirbst Was er dir ermöglicht
Erster Schulabschluss (früher meist Hauptschulabschluss) allgemeinbildende Schulen der Sekundarstufe I Zugang zu vielen dualen Ausbildungen
Mittlerer Schulabschluss (oft Mittlere Reife genannt) allgemeinbildende Schulen der Sekundarstufe I Ausbildung, Fachoberschule, gymnasiale Oberstufe
Fachhochschulreife berufliche Schulen, zum Beispiel Fachoberschule Studium an Fachhochschulen
Allgemeine Hochschulreife (Abitur) Schulen mit gymnasialer Oberstufe, berufliche Gymnasien Studium an allen Hochschulen

Zeugnisse nach der Ausbildung

Am Ende einer dualen Ausbildung bekommst du nicht ein Zeugnis, sondern drei Dokumente:

  • Prüfungszeugnis der zuständigen Stelle: Nach bestandener Abschlussprüfung stellt die Kammer ein Zeugnis aus (§ 37 BBiG). In Handwerksberufen ist es die Handwerkskammer, die Prüfung heißt dort Gesellenprüfung (Handwerksordnung). Dieses Zeugnis belegt deinen Berufsabschluss.
  • Abschlusszeugnis der Berufsschule: Die Berufsschule ist der zweite Lernort der Ausbildung. Über die Leistungen dort erhältst du ein eigenes Zeugnis. Einen Überblick über Berufsschulen und ihre Aufgaben findest du im Portal.
  • Ausbildungszeugnis des Betriebs: Dein Ausbildungsbetrieb muss dir zum Ende der Ausbildung ein schriftliches Zeugnis ausstellen (§ 16 BBiG). Es nennt Art, Dauer und Ziel der Ausbildung sowie die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse. Auf Verlangen enthält es auch eine Abschlussbeurteilung zu Verhalten und Leistung, ein sogenanntes qualifiziertes Zeugnis. Ältere Unterlagen schreiben noch „Abschlußbeurteilung“ mit ß.

Für eine spätere Bewerbung brauchst du alle drei. Das Prüfungszeugnis zeigt, dass du den Beruf erlernt hast, die beiden anderen geben ein genaueres Bild deiner Leistungen.

Zeugnisse der Hochschule

Nach einem Studium erhältst du ein Bachelor- oder Masterzeugnis mit den Modulnoten und der Gesamtnote, dazu meist eine Urkunde über den akademischen Grad. In älteren oder einzelnen Studiengängen gibt es noch das Diplomzeugnis, etwa nach einem Diplomstudium. Viele Hochschulen legen zusätzlich ein Diploma Supplement bei, eine standardisierte Beschreibung des Studiengangs auf Englisch.

Bedeutung des Abschlusszeugnisses bei Bewerbungen

Personalverantwortliche nutzen dein Zeugnis, um sich ein Bild von deinen schulischen Leistungen und deiner Eignung für die Stelle zu machen. Sie schauen dabei nicht nur auf die Durchschnittsnote, sondern auf das Gesamtbild.

Besonders genau achten sie auf die Fächer, die für den Beruf wichtig sind. Bewirbst du dich um eine technische Ausbildung, zählen meist die Noten in Mathematik und Physik. Bei kaufmännischen Berufen haben Deutsch, Mathematik und Englisch mehr Gewicht. Auch Bemerkungen im Zeugnis, etwa zur Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften, Schülerfirmen oder Wettbewerben, werden gelesen.

Wichtig für Schülerinnen und Schüler: Um einen Ausbildungsplatz bewirbst du dich meist etwa ein Jahr vor dem Schulabschluss. Dann liegt das Abschlusszeugnis noch nicht vor. Du legst stattdessen dein letztes Halbjahres- oder Jahreszeugnis bei und reichst das Abschlusszeugnis nach, sobald du es hast. Viele Ausbildungsverträge setzen voraus, dass du den Abschluss tatsächlich erreichst.

Sind deine Noten in einem wichtigen Fach schwächer, kannst du das ausgleichen: mit einem Praktikumszeugnis, einer Bescheinigung über ein Ehrenamt oder Zertifikaten aus Kursen. Solche Nachweise zeigen, was du über die Noten hinaus kannst.

Praktische Tipps zur Nutzung des Abschlusszeugnisses

  1. Bewerbungsunterlagen: Lege deiner Bewerbung immer eine Kopie oder einen Scan bei, nie das Original. Bei Online-Bewerbungen fasst du Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse am besten in einer PDF-Datei zusammen.
  2. Vorstellungsgespräch: Nimm das Original mit, wenn der Betrieb danach fragt. Dann kann er die Kopie mit dem Original abgleichen.
  3. Beglaubigte Kopien: Für Bewerbungen an Hochschulen oder bei Behörden wird oft eine amtlich beglaubigte Kopie verlangt. Diese erhältst du zum Beispiel bei der ausstellenden Schule, bei vielen Behörden oder bei einem Notar. Die Gebühren können sich ändern.
  4. Weiterbildungen: Dein Abschluss ist die Grundlage für weitere Schritte. Viele Aufstiegsfortbildungen setzen einen Berufsabschluss voraus, den du mit dem Prüfungszeugnis nachweist. Mehr zu Weiterbildungen nach der Ausbildung findest du im Portal.
  5. Aufbewahrung: Bewahre alle Originale sicher und trocken auf, am besten in einer Mappe ohne Knicke. Ein Scan auf deinem Rechner oder in einem sicheren Speicher hilft dir, schnell eine Kopie zu erstellen.
  6. Verlust: Ist ein Zeugnis verloren gegangen, wende dich an die Stelle, die es ausgestellt hat. Schule, Kammer oder Hochschule können in der Regel eine Zweitschrift ausstellen, oft gegen eine Gebühr.

Vorlagen und Muster: Warum du dein Zeugnis nicht selbst erstellst

Im Internet findest du viele Vorlagen und Muster für Abschlusszeugnisse. Sie können dir zeigen, wie ein Zeugnis aufgebaut ist und welche Angaben üblich sind. Mehr nicht: Ein Abschlusszeugnis stellt immer die Schule, die Kammer oder die Hochschule aus. Du selbst erstellst oder veränderst es nie.

Wer ein Zeugnis selbst anfertigt oder Noten nachträglich ändert, begeht eine Urkundenfälschung (§ 267 Strafgesetzbuch). Fällt das auf, kann ein Betrieb einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag anfechten oder kündigen. Sinnvoll sind Vorlagen nur für deine übrigen Bewerbungsunterlagen, etwa für Anschreiben und Lebenslauf.

Abschlusszeugnis Vorlagen
Bild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Internationale Anerkennung und Bedeutung des Abschlusszeugnisses

Willst du im Ausland arbeiten oder studieren, musst du deinen Abschluss dort verständlich machen. Ob ein deutsches Zeugnis anerkannt wird, entscheidet das jeweilige Land oder die Hochschule. Folgende Wege helfen dir dabei:

  • Übersetzung des Prüfungszeugnisses: Nach § 37 BBiG muss die Kammer deinem Prüfungszeugnis auf Antrag eine englische und eine französische Übersetzung beifügen. Frag danach rechtzeitig vor der Abschlussprüfung.
  • Europass-Zeugniserläuterung: Für viele anerkannte Ausbildungsberufe gibt es eine standardisierte Beschreibung auf Englisch und Französisch. Sie erklärt Arbeitgebern im Ausland, was du in deiner Ausbildung gelernt hast.
  • Diploma Supplement: Hochschulabsolventinnen und -absolventen erhalten es meist zusammen mit dem Zeugnis. Es erleichtert den Vergleich mit Abschlüssen in anderen Ländern.
  • Beglaubigte Übersetzung: Für Schulzeugnisse verlangen ausländische Stellen oft eine Übersetzung durch eine vereidigte Übersetzerin oder einen vereidigten Übersetzer. Welche Form gilt, erfährst du bei der Stelle, bei der du dich bewirbst.

Kläre am besten vorab mit der Hochschule oder dem Arbeitgeber im Ausland, welche Unterlagen gebraucht werden. So vermeidest du doppelte Kosten für Übersetzungen.

Schule und Kammer stellen verschiedene Zeugnisse ausSchule und Kammer stellenverschiedene Zeugnisse ausSchulzeugnisPrüfungszeugnisAusstellerdeine SchuleIHK oderHandwerkskammerGrundlageSchulgesetz des Landes§ 37 BBiG,HandwerksordnungBescheinigtSchulabschluss undFachnotenbestandeneAbschlussprüfungÜbersetzungbeglaubigt, selbstbeauftragtauf Antrag Englisch,FranzösischQuelle: BBiG § 37, Schulgesetze der Länder
Für den Schulabschluss ist die Schule zuständig, für den Berufsabschluss die Kammer.

Dein Abschlusszeugnis in Mecklenburg-Vorpommern

Für dein Schulzeugnis ist in Mecklenburg-Vorpommern wie überall deine Schule zuständig. Dort erfährst du auch, welchen Abschluss du erreichen kannst und wie er in MV genau heißt.

Machst du eine Ausbildung, stellt die Kammer am Sitz deines Ausbildungsbetriebs das Prüfungszeugnis aus: die IHK zu Rostock, die IHK zu Schwerin oder die IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern, in Handwerksberufen die Handwerkskammer Schwerin oder die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Dort beantragst du auch die Übersetzung oder eine Zweitschrift.

Passende Betriebe für deine Bewerbung findest du im Azubi-Atlas für MV, sortiert nach Landkreis. Wenn du nach dem Abitur studieren willst, helfen dir die Hochschulprofile in Mecklenburg-Vorpommern weiter. Ausbildungs- und Studienmessen im Land stehen im Terminkalender des Portals.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Abschlusszeugnis und Abgangszeugnis?

Das Abschlusszeugnis bescheinigt, dass du einen Abschluss erreicht hast. Das Abgangszeugnis bekommst du, wenn du die Schule ohne diesen Abschluss verlässt. Es zeigt deine Noten, berechtigt aber nicht zu den Wegen, die der Abschluss eröffnet.

Muss ich das Original zur Bewerbung schicken?

Nein. Du schickst Kopien oder Scans und behältst das Original. Manche Betriebe möchten das Original im Vorstellungsgespräch sehen, Hochschulen verlangen teilweise eine amtlich beglaubigte Kopie.

Was mache ich, wenn ich mein Abschlusszeugnis verloren habe?

Wende dich an die Schule, Kammer oder Hochschule, die das Zeugnis ausgestellt hat. Dort kannst du meist eine Zweitschrift beantragen. Gibt es die Schule nicht mehr, hilft dir die zuständige Schulbehörde weiter.

Kann ich mich bewerben, bevor ich das Abschlusszeugnis habe?

Ja, bei Ausbildungsplätzen ist das sogar üblich. Du legst dein aktuelles Halbjahres- oder Jahreszeugnis bei und reichst das Abschlusszeugnis nach. Der Ausbildungsvertrag kann voraussetzen, dass du den Abschluss tatsächlich erreichst.

Bekomme ich nach der Ausbildung ein Zeugnis vom Betrieb?

Ja, dein Ausbildungsbetrieb muss dir nach § 16 BBiG ein schriftliches Zeugnis ausstellen. Wenn du es verlangst, enthält es auch eine Beurteilung von Verhalten und Leistung. Dieses Zeugnis ist für spätere Bewerbungen wichtig.

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