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Pharmakant/in

Als Pharmakant oder Pharmakantin stellst du in der pharmazeutischen Industrie Arzneimittel her – zum Beispiel Tabletten, Kapseln, Salben, Säfte oder Lösungen. Die duale Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, also 42 Monate. Du lernst im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Für die Pharmakant-Ausbildung in MV gilt dieselbe bundesweite Ausbildungsordnung wie überall in Deutschland.

Was machst du als Pharmakant/-in?

Pharmakantinnen und Pharmakanten arbeiten in der Produktion. Sie bereiten Ausgangsstoffe vor, verarbeiten sie an Maschinen und Anlagen zu fertigen Arzneiformen und verpacken die Produkte. Grundlage ist immer eine genaue Herstellungsanweisung. Sie legt fest, welche Stoffe in welcher Menge, in welcher Reihenfolge und unter welchen Bedingungen verarbeitet werden.

Zu deinen Aufgaben gehören zum Beispiel:

  • Anlagen reinigen, vorbereiten und für eine neue Charge einrichten
  • Ausgangsstoffe nach Vorgabe abwiegen, prüfen und bereitstellen
  • feste Arzneiformen wie Tabletten und Kapseln, halbfeste wie Salben und Cremes oder flüssige wie Lösungen und Säfte herstellen – je nach Betrieb auch sterile Produkte
  • Mischen, Granulieren, Pressen, Abfüllen und Verpacken an Maschinen steuern
  • Prozesswerte wie Temperatur, Druck, Drehzahl oder Gewicht überwachen
  • Proben ziehen und Kontrollen während der Herstellung durchführen
  • jeden Arbeitsschritt lückenlos dokumentieren
  • Störungen erkennen, melden und einfache Wartungsarbeiten übernehmen

Die Herstellung von Arzneimitteln ist streng geregelt. Du arbeitest nach festen Vorgaben zu Hygiene und Qualität, oft in Reinräumen mit Schutzkleidung, Haube und Handschuhen. Jede Charge bekommt ein Protokoll, in das du Mengen, Zeiten und Messwerte einträgst. Abweichungen meldest du sofort, damit sie geprüft werden können. In diesem Beruf zählt deshalb Sorgfalt mehr als Tempo.

Dein Arbeitsplatz ist die Produktion eines Pharmaunternehmens: Herstellungsräume, Reinräume, Verpackungslinien und Leitstände, an denen du Anlagen per Computer steuerst. Weil viele Anlagen lange laufen, arbeiten Pharmakantinnen und Pharmakanten in manchen Betrieben im Schichtdienst. Frag danach, bevor du dich bewirbst.

Mit der Apotheke hat der Beruf wenig zu tun. Du berätst keine Kundinnen und Kunden und gibst keine Medikamente aus. Wenn dich eher die Herstellung von Chemikalien in größeren Anlagen interessiert, lies auch das Berufsbild Chemikant/in.

Welche Voraussetzungen brauchst du?

Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die Betriebe wählen ihre Auszubildenden selbst aus und legen fest, welchen Abschluss sie erwarten. Schau dir dazu die jeweilige Ausschreibung genau an.

Diese Schulfächer helfen dir in der Ausbildung:

  • Chemie: Stoffe, Reaktionen und Lösungen begegnen dir jeden Tag.
  • Mathematik: Du rechnest Mengen, Konzentrationen und Mischungsverhältnisse aus.
  • Biologie: Du arbeitest täglich mit Hygieneregeln und musst wissen, wie sich Mikroorganismen verbreiten.
  • Physik: Druck, Temperatur und Messtechnik gehören zum Umgang mit Anlagen.
  • Deutsch: Du liest Anweisungen genau und dokumentierst sauber.

Außerdem solltest du genau arbeiten, Regeln einhalten können und kein Problem damit haben, stundenlang Schutzkleidung zu tragen. Technisches Verständnis hilft dir beim Bedienen und Einrichten der Maschinen.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Pharmakant/Pharmakantin ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Pharmakanten/zur Pharmakantin vom 10. Juni 2009. Die Ausbildung dauert drei Jahre und sechs Monate.

Du lernst an zwei Orten. Im Ausbildungsbetrieb arbeitest du in der Produktion mit und durchläufst verschiedene Bereiche. In der Berufsschule lernst du die fachlichen Grundlagen, etwa zu Stoffen, Verfahrenstechnik und Qualitätssicherung, und hast allgemeinbildende Fächer.

Was du im Betrieb mindestens lernen musst, steht im Ausbildungsrahmenplan, der Anlage zur Verordnung. Die Verordnung unterscheidet zehn Pflichtqualifikationen, die alle Auszubildenden lernen, und eine Auswahlliste mit 16 Wahlqualifikationen. Aus dieser Liste legt dein Betrieb Wahlqualifikationen im Umfang von insgesamt 72 Wochen fest. Dabei müssen mindestens zwei aus den Nummern 1 bis 3 und mindestens eine aus den Nummern 4 bis 6 dabei sein. So passt die Ausbildung zu dem, was dein Betrieb herstellt. Zu den Pflichtinhalten gehören auch übergreifende Themen wie Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht, Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Der Rahmenplan ordnet die Inhalte mit zeitlichen Richtwerten drei Abschnitten zu: ab dem 1., ab dem 13. und ab dem 19. Ausbildungsmonat.

Die Abschlussprüfung findet in zwei Teilen statt. Teil 1 soll zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden. Er prüft die Inhalte der ersten 18 Ausbildungsmonate und besteht aus den Prüfungsbereichen „Pharmazeutische Produktionstechnik“ und „Arbeitsstoffe und Verfahren“. Teil 2 legst du am Ende der Ausbildung ab. Zu seinen Prüfungsbereichen gehören unter anderem „Fertigungstechnik“ sowie „Herstellung, Verpackung, Qualitätsmanagement“. Im Gesamtergebnis zählt Teil 1 mit 30 Prozent und Teil 2 mit 70 Prozent. Die Prüfung nimmt die Industrie- und Handelskammer ab.

Die Ausbildung dauert 42 Monate mit zwei PrüfungsteilenDie Ausbildung dauert 42 Monate mitzwei PrüfungsteilenMonat 1Start in Betrieb, SchuleErste Inhalte des Rahmenplans und Unterrichtin der Berufsschuleab Monat 13Zweiter AbschnittRahmenplan ordnet weitere Inhalte ab dem 13.Monat zuab Monat 19Dritter AbschnittInhalte bis zur selbstständigen Arbeit anAnlagenEnde Jahr 2Teil 1 der PrüfungInhalte der ersten 18 Monate, zählt 30 Prozentim GesamtergebnisMonat 42Teil 2 der PrüfungEnde der Ausbildung, zählt 70 Prozent imGesamtergebnisQuelle: Ausbildungsordnung PharmAusbV 2009
Die Ausbildung zum Pharmakanten oder zur Pharmakantin dauert 42 Monate, Teil 1 der Abschlussprüfung soll zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.

Mit guten Leistungen oder einem höheren Schulabschluss kannst du bei der Kammer beantragen, die Ausbildung zu verkürzen. Ob das in deinem Fall möglich ist, klärst du mit deinem Betrieb und der zuständigen IHK.

Wie viel verdienst du in der Ausbildung?

Für duale Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz gilt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Sie richtet sich nach dem Jahr, in dem deine Ausbildung beginnt, und steigt mit jedem Ausbildungsjahr.

Beginnst du deine Ausbildung 2026, bekommst du mindestens 724 Euro im ersten und 854 Euro im zweiten Ausbildungsjahr. Für einen Ausbildungsbeginn 2027 gelten diese Mindestbeträge im Monat:

Ausbildungsjahr Mindestvergütung bei Beginn 2027
1. Jahr 764 Euro
2. Jahr 902 Euro
3. Jahr 1.031 Euro
4. Jahr 1.070 Euro

Weil die Ausbildung dreieinhalb Jahre dauert, fallen die letzten sechs Monate ins vierte Ausbildungsjahr. Die Mindestvergütung ist eine Untergrenze für Betriebe ohne Tarifvertrag. Ist dein Betrieb an einen Tarifvertrag gebunden, gilt dessen Vergütung – sie kann höher liegen. Die genaue Höhe steht in deinem Ausbildungsvertrag.

Pharmakant-Ausbildung in MV

Zuständige Stelle für deine Ausbildung ist die Industrie- und Handelskammer am Sitz deines Ausbildungsbetriebs. In Mecklenburg-Vorpommern sind das die IHK zu Rostock, die IHK zu Schwerin und die IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Die Kammer trägt deinen Ausbildungsvertrag ein, berät dich und deinen Betrieb bei Fragen und nimmt die Prüfungen ab.

Welche Berufsschule du besuchst, erfährst du von deinem Ausbildungsbetrieb oder von der Ausbildungsberatung deiner IHK. Frag am besten schon im Bewerbungsgespräch, wo der Unterricht stattfindet und ob er in Blöcken organisiert ist.

Betriebe, die in MV ausbilden, findest du im Azubi-Atlas nach Landkreis. Ausbildungsmessen in deiner Nähe stehen im Portal unter Termine.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Nach dem Abschluss arbeitest du als Fachkraft in der Arzneimittelherstellung. Mit Berufserfahrung kannst du mehr Verantwortung übernehmen, etwa für eine Anlage oder eine Schicht.

Für den nächsten Schritt gibt es mehrere Wege:

  • Industriemeister/-in: eine Fortbildung über die IHK, mit der du Teams und Produktionsabläufe leitest.
  • Staatlich geprüfte/r Techniker/-in: eine Weiterbildung an einer Fachschule, zum Beispiel in Chemietechnik, in Vollzeit oder berufsbegleitend.
  • Studium: etwa in Pharmatechnik, Verfahrenstechnik oder Chemie. Wenn du dich für Arzneimittel aus wissenschaftlicher Sicht interessierst, sieh dir das Pharmaziestudium an.

Welche Zugangsvoraussetzungen gelten, hängt von der Fortbildung oder der Hochschule ab. Frag bei der IHK oder direkt bei der Schule oder Hochschule nach.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Ausbildung zum Pharmakanten?

Die Regeldauer beträgt 42 Monate, also dreieinhalb Jahre. So steht es in der Ausbildungsordnung von 2009. Eine Verkürzung ist auf Antrag möglich, wenn die Kammer zustimmt.

Kann ich die Pharmakant-Ausbildung in MV machen?

Ja, wenn du einen Ausbildungsbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern findest. Zuständig ist dann eine der drei IHKs im Land. Wo du zur Berufsschule gehst, sagt dir dein Betrieb oder die IHK.

Welchen Schulabschluss brauche ich als Pharmakant/-in?

Vorgeschrieben ist keiner. Welchen Abschluss ein Betrieb erwartet, steht in seiner Ausschreibung. Gute Noten in Chemie und Mathematik helfen dir bei der Bewerbung und in der Berufsschule.

Was ist der Unterschied zwischen Pharmakant und Chemikant?

Beide Berufe steuern Produktionsanlagen. Pharmakantinnen und Pharmakanten stellen Arzneimittel und deren Darreichungsformen her und arbeiten dabei nach besonders strengen Hygiene- und Dokumentationsregeln. Chemikantinnen und Chemikanten stellen chemische Stoffe her, meist in größeren Anlagen.

Arbeite ich als Pharmakant/-in im Labor?

Nein, dein Platz ist die Produktion. Du ziehst zwar Proben und machst Kontrollen während der Herstellung, die eigentlichen Analysen übernehmen aber meist Fachleute im Labor, zum Beispiel Chemielaborantinnen und Chemielaboranten.

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