Als Logopäde oder Logopädin arbeitest du mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die Schwierigkeiten mit der Stimme, dem Sprechen, der Sprache oder dem Schlucken haben. Die Logopädie-Ausbildung dauert drei Jahre. Du lernst in Vollzeit an einer staatlich anerkannten Schule für Logopäden. Wenn das Land es vorsieht, kannst du auch an einer Hochschule lernen. Am Ende steht eine staatliche Prüfung. Danach beantragst du die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung zu führen.
Was machst du als Logopäde oder Logopädin?
Du arbeitest mit Menschen, die Probleme beim Sprechen, mit der Sprache, mit der Stimme oder beim Schlucken haben. Das kann ein Kind im Kindergartenalter sein, das bestimmte Laute noch nicht bildet oder wenig spricht. Es kann ein Jugendlicher sein, der stottert. Oder eine Lehrerin, deren Stimme nach langen Unterrichtstagen versagt. Oder ein älterer Mann, der nach einem Schlaganfall Wörter nicht mehr findet oder Probleme beim Schlucken hat.
Am Anfang stehen ein Gespräch und eine Untersuchung: Du fragst nach der Vorgeschichte (Anamnese), machst Tests und schreibst den Befund auf. Danach planst du die Therapie, meist auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung. In den Sitzungen übst du mit deinen Patientinnen und Patienten zum Beispiel Laute, Atmung, Stimmeinsatz, Wortschatz oder Schluckabläufe. Du beziehst Eltern und Angehörige ein, damit die Übungen auch zum Alltag passen. Du dokumentierst jede Sitzung und schreibst Berichte für Ärztinnen und Ärzte.
Deine wichtigsten Werkzeuge sind deine Stimme, dein genauer Blick und das Gespräch. Dazu kommen Bildkarten, Spiele, Bücher, Spiegel, Aufnahmegeräte, standardisierte Tests und Software für Dokumentation und Übungen.
Wo arbeitest du?
- in logopädischen Praxen, oft mit Terminen für Kinder am Nachmittag
- in Krankenhäusern, etwa auf neurologischen Stationen oder in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
- in Rehabilitationskliniken
- in Einrichtungen der Frühförderung und in Förderschulen
- in Pflegeeinrichtungen und bei Hausbesuchen
Meist arbeitest du mit einer Person allein. Du brauchst Geduld, eine klare und belastbare Stimme und ein gutes Gehör. Außerdem musst du Übungen so planen können, dass sie zum Alter und zur Situation der Person passen. Ähnlich nah am Menschen arbeitest du als Physiotherapeut oder Physiotherapeutin. Dort geht es vor allem um Bewegung.
Welche Voraussetzungen brauchst du?
Die Zugangsvoraussetzungen stehen im Logopädengesetz (§ 4 LogopG). Du brauchst eine der folgenden Grundlagen:
- einen Realschulabschluss (in MV: Mittlere Reife) oder eine gleichwertige Schulbildung, zum Beispiel das Abitur
- oder einen Hauptschulabschluss (in MV: Berufsreife) und eine abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren
Für die spätere Erlaubnis zur Berufsausübung musst du außerdem gesundheitlich geeignet sein. Viele Schulen verlangen bei der Bewerbung ein ärztliches Attest. Manche prüfen zusätzlich Stimme, Gehör und Aussprache. Die genauen Anforderungen legt jede Schule selbst fest. Frag deshalb früh nach.
Hilfreich sind die Schulfächer Deutsch (Grammatik, Gefühl für Sprache), Biologie (Aufbau von Kehlkopf, Ohr und Gehirn) und Fremdsprachen. Wenn du Musik oder Darstellendes Spiel hast, kennst du dich oft schon ein wenig mit Stimme und Atmung aus. Mit einem Praktikum in einer logopädischen Praxis siehst du vor der Bewerbung, wie der Arbeitsalltag aussieht.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Die Ausbildung an staatlich anerkannten Schulen für Logopäden ist bundesweit einheitlich in der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Logopäden (LogAPrO) geregelt. Sie dauert drei Jahre und hat zwei Teile: theoretischen und praktischen Unterricht an der Schule und eine praktische Ausbildung. Anders als in dualen Berufen gibt es keinen Ausbildungsbetrieb und keine Berufsschule als zweiten Lernort. Du bist Schülerin oder Schüler an einer Schule für Logopäden.
Im Unterricht lernst du die Grundlagen aus Medizin, Sprachwissenschaft und Pädagogik. Dazu gehören unter anderem Anatomie und Physiologie, Neurologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Phoniatrie (die Medizin von Stimme und Sprache), Aphasiologie, Audiologie, Psychologie, Pädagogik, Linguistik und Phonetik. Hinzu kommen Stimmbildung und Sprecherziehung, in denen du an deiner eigenen Stimme arbeitest, und das Fach Logopädie selbst.
In der praktischen Ausbildung schaust du zuerst bei Therapien zu. Später behandelst du unter Anleitung selbst Kinder und Erwachsene. Je nach Schule gibt es auch Einsätze in Kliniken, Praxen oder Einrichtungen der Frühförderung.
Am Ende legst du die staatliche Prüfung vor dem Prüfungsausschuss an deiner Schule ab. Sie hat einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Teil. Im praktischen Teil arbeitest du mit Patientinnen und Patienten. Nach der bestandenen Prüfung stellt dir die zuständige Behörde auf Antrag die Erlaubnisurkunde aus. Erst dann darfst du dich Logopäde oder Logopädin nennen, denn die Berufsbezeichnung ist gesetzlich geschützt.
Die zuständige Behörde kann auf Antrag eine andere Ausbildung anrechnen, wenn sie gleichwertig ist. Dann wird deine Ausbildung kürzer. Ob das für dich infrage kommt, klärst du mit der Schule.
Statt an einer Schule kannst du auch an einer Hochschule lernen, wenn das Land das bestimmt. Bis Ende 2024 war das über eine befristete Modellklausel im Logopädengesetz geregelt. Heute steht die Regel in den Übergangsvorschriften (§ 8a LogopG). Danach legen die Länder Ziele, Dauer und Ausgestaltung der Studiengänge fest. Von der Ausbildungs- und Prüfungsordnung dürfen Hochschulen nur beim theoretischen und praktischen Unterricht abweichen. Mit Zustimmung der zuständigen Behörde können sie Teile der staatlichen Prüfung durch Modulprüfungen ersetzen. Im Übrigen gilt die Verordnung, und die Hochschule tritt an die Stelle der Schule. Über ein neues Berufsgesetz mit hochschulischer Ausbildung wird seit Jahren diskutiert. Ob ein Studiengang für deinen Studienbeginn angeboten wird, fragst du direkt bei der Hochschule nach. Stand November 2026 gilt weiter das Logopädengesetz von 1980 mit der dreijährigen Ausbildung.
Bekommst du in der Ausbildung Geld?
Die Logopädie-Ausbildung ist eine schulische Ausbildung nach einem eigenen Berufsgesetz. Die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG gilt hier nicht, weil die Ausbildung nicht unter das Berufsbildungsgesetz fällt. Als Schülerin oder Schüler an einer Schule für Logopäden hast du keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung.
Für dich ist vor allem das Schulgeld wichtig. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert vom 1. Januar 2024 bis zum 31. Dezember 2027 die Schulgeldfreiheit in mehreren Gesundheitsfachberufen, darunter Logopädie. Ersetzt werden Schulgeld, Anmelde- und Prüfungsgebühren und Beträge für Sachmittel an staatlich genehmigten und staatlich anerkannten Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Der Stand kann sich ändern. Frag deshalb bei deiner Schule nach, ob die Förderung für deinen Ausbildungsbeginn gilt.
Für deinen Lebensunterhalt kannst du unter bestimmten Voraussetzungen Schüler-BAföG bekommen. Ob du es bekommst und wie viel, prüft das Amt für Ausbildungsförderung deines Landkreises oder deiner kreisfreien Stadt.
Logopädie-Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern
Für die Logopädie-Ausbildung in MV bewirbst du dich direkt bei einer staatlich anerkannten Schule für Logopäden und nicht bei einem Betrieb. Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern sind für diesen Beruf nicht zuständig. Beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) gibt es ein Landesprüfungsamt für Gesundheitsfachberufe. Das LAGuS ist außerdem für die Förderung der Schulgeldfreiheit zuständig.
Suchst du eine Logopädie-Ausbildung in Rostock, Schwerin oder einer anderen Stadt, dann prüf die aktuellen Angebote direkt. Welche Schulen in MV gerade Klassen anbieten und wann die Bewerbungsfristen enden, ändert sich von Jahr zu Jahr. Achte darauf, dass die Schule staatlich anerkannt ist und zur staatlichen Prüfung führt.
Spätere Arbeitgeber wie Praxen, Kliniken und Reha-Einrichtungen findest du im Azubi-Atlas nach Landkreis. Schulen und Hochschulen stellen sich auch auf Messen vor. Die Daten findest du unter Termine für Ausbildungsmessen.
Wie geht es nach der Ausbildung weiter?
Mit der Erlaubnis arbeitest du in einer Praxis, einer Klinik oder einer anderen Einrichtung. Viele Logopädinnen und Logopäden spezialisieren sich mit Fortbildungen, etwa auf Kindersprache, Stottern, Stimme, Aphasie nach einem Schlaganfall oder Schluckstörungen. Mit Berufserfahrung kannst du eine eigene Praxis gründen. Damit du dann mit den Krankenkassen abrechnen kannst, brauchst du eine Zulassung.
Wenn du weiterlernen willst, kannst du studieren, etwa Logopädie, Sprachtherapie oder Therapiewissenschaften. Manche Hochschulen rechnen dir die Berufsausbildung auf das Studium an. Mit Bachelor und Master kannst du auch an Schulen für Logopäden unterrichten oder in die Forschung gehen.
Häufige Fragen
Ist die Logopädie-Ausbildung schulisch oder dual?
Sie ist schulisch. Du lernst an einer staatlich anerkannten Schule für Logopäden. Die Praxis gehört zur Ausbildung und wird von der Schule organisiert. Einen Ausbildungsvertrag mit einem Betrieb und eine Berufsschule wie in dualen Berufen gibt es nicht.
Kann ich Logopädie in Rostock oder Schwerin lernen?
Das Angebot an Schulen in MV ändert sich, deshalb nennen wir hier keine einzelnen Standorte. Prüf vor der Bewerbung, ob eine Schule in deiner Nähe staatlich anerkannt ist und wann der nächste Kurs beginnt. Auf Ausbildungsmessen in MV kannst du Schulen direkt ansprechen.
Brauche ich Abitur für die Logopädie-Ausbildung?
Für die Ausbildung an einer Schule für Logopäden brauchst du kein Abitur. Laut Gesetz reicht die Mittlere Reife oder die Berufsreife mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung. Für ein Studium der Logopädie brauchst du dagegen eine Hochschulzugangsberechtigung.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Logopäden oder zur Logopädin?
Die Ausbildung an der Schule dauert drei Jahre in Vollzeit. Fehlzeiten, etwa durch Krankheit, werden bis zu einer gesetzlichen Grenze angerechnet. Hast du eine gleichwertige Vorbildung, kann deine Ausbildung auf Antrag kürzer werden.
Ändert sich die Ausbildung bald?
Eine Reform des Berufsgesetzes ist angekündigt, aber noch nicht beschlossen. Wenn du jetzt beginnst, lernst du nach den geltenden Regeln des Logopädengesetzes und schließt mit der staatlichen Prüfung ab. Was sich für laufende Ausbildungen ändert, steht erst im neuen Gesetz.
Weitere Infos
- Logopädengesetz (LogopG): Bundesgesetz über den Beruf des Logopäden mit Erlaubnis, Zugangsvoraussetzungen, Dauer der Ausbildung und Übergangsregel zur Hochschulausbildung.
- Ausbildungs- und Prüfungsordnung LogAPrO: Bundesrechtliche Regelung der dreijährigen Ausbildung und der staatlichen Prüfung für Logopäden.
- LAGuS: Förderung der Schulgeldfreiheit: Landesförderung MV zum Ersatz von Schulgeld und Gebühren in Gesundheitsfachberufen, darunter Logopädie, vom 1.1.2024 bis 31.12.2027.