Als Vermessungstechniker/-in misst du Grundstücke, Gebäude und Gelände aus und machst aus den Messwerten Karten, Pläne und Daten für das Liegenschaftskataster. Als Geomatiker/-in arbeitest du vor allem mit diesen Geodaten: Du erfasst, verwaltest und visualisierst sie. Beide Berufe sind duale Ausbildungsberufe nach dem Berufsbildungsgesetz, die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre. Du lernst im Ausbildungsbetrieb oder in einer Behörde und in der Berufsschule.
Was machst du als Vermessungstechniker/-in oder Geomatiker/-in?
Beide Berufe gehören zur Geoinformationstechnologie und sind in einer gemeinsamen Ausbildungsordnung geregelt. Im ersten Jahr lernst du dieselben Grundlagen, danach trennen sich die Wege. Typische Ausbildungsstätten sind Vermessungs- und Katasterbehörden der Landkreise und Städte, Landesbehörden für Geoinformation sowie Büros von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurinnen und -ingenieuren.
Vermessungstechniker/-in
Du bist oft draußen unterwegs, bei jedem Wetter. Du führst Lage- und Höhenvermessungen im Gelände aus, zum Beispiel an Grundstücksgrenzen, Straßen oder neuen Wohngebieten. Bei einer Bauabsteckung überträgst du geplante Vorhaben in die Örtlichkeit: Du markierst auf der Baustelle, wo ein Gebäude oder eine Leitung genau hinkommt. Dafür arbeitest du mit Tachymeter, Nivelliergerät und satellitengestützten Empfängern (GNSS).
Zurück im Büro wertest du die Messdaten aus und führst vermessungstechnische Berechnungen aus, etwa von Koordinaten, Flächen oder Höhen. Daraus entstehen Lagepläne und Unterlagen, mit denen Behörden das Liegenschaftskataster aktuell halten. Die Ausbildungsordnung kennt zwei Fachrichtungen: Vermessung und Bergvermessung. In Mecklenburg-Vorpommern wird laut Landesamt für innere Verwaltung seit 2010 in der Fachrichtung Vermessung ausgebildet.
Geomatiker/-in
Als Geomatiker/-in arbeitest du überwiegend am Rechner. Du baust Geoinformationssysteme (GIS) auf, pflegst Geodaten in Datenbanken und sorgst dafür, dass sie in Geodateninfrastrukturen für andere nutzbar sind. Ein großer Teil deiner Arbeit ist die Visualisierung: Du gestaltest digitale und gedruckte Karten und bereitest Geodaten so auf, dass andere sie verstehen, zum Beispiel für Planungen oder Online-Karten. Dabei beachtest du Normen und Standards sowie Vorgaben zur Datensicherheit. Messungen im Gelände kommen vor, stehen aber nicht im Mittelpunkt.
Welche Voraussetzungen brauchst du?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, Betriebe und Behörden wählen ihre Auszubildenden selbst aus. Viele Ausbildungsstellen im öffentlichen Dienst schreiben in ihren Ausschreibungen dazu, welchen Abschluss sie erwarten.
Diese Schulfächer helfen dir:
- Mathematik, vor allem Geometrie und Trigonometrie, denn du rechnest täglich mit Winkeln, Strecken und Koordinaten.
- Informatik, weil Messdaten und Karten fast nur digital verarbeitet werden – für Geomatiker/-innen noch stärker als für Vermessungstechniker/-innen.
- Physik für das Verständnis von Messgeräten und Messfehlern.
- Geografie für den Umgang mit Karten und Landschaftsformen.
Für Vermessungstechniker/-innen kommt dazu, dass du gern draußen arbeitest und sorgfältig bist: Ein Fehler von wenigen Zentimetern an einer Grundstücksgrenze hat Folgen. Für Geomatiker/-innen ist ein Gespür für klare Darstellung hilfreich.
Wie läuft die Ausbildung ab?
Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung in der Geoinformationstechnologie (GeoITAusbV) vom 30. Mai 2010. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Du lernst an zwei Lernorten: im Ausbildungsbetrieb oder in der Behörde und in der Berufsschule. Dein Ausbildungsnachweis dokumentiert, was du an beiden Lernorten gelernt hast.
Die Verordnung gliedert die Ausbildung so:
- Erstes Ausbildungsjahr (Monat 1 bis 12): Beide Berufe lernen gemeinsame Qualifikationen, etwa berufsbezogene Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Normen und Standards sowie die Grundlagen der Geoinformationstechnologie.
- Monat 13 bis 36: Du lernst die Inhalte deines Berufs. Als Vermessungstechniker/-in sind das Vermessung, Auswertung und Berechnung in deiner Fachrichtung. Als Geomatiker/-in sind es Geoinformationstechnik, Geodatenmanagement und die Visualisierung von Geodaten.
Während der Ausbildung legst du eine Zwischenprüfung ab, die deinen Lernstand zeigt. Am Ende steht die Abschlussprüfung. Bei Vermessungstechniker/-innen sind die Prüfungsbereiche 2 bis 4 schriftlich, Bereich 4 ist Wirtschafts- und Sozialkunde. Bei Geomatiker/-innen sind die Bereiche 3 bis 5 schriftlich. In MV gibst du laut Handreichung des Landesamts für innere Verwaltung dort eine Dokumentation ab, und die schriftlichen Prüfungen finden im Landesamt statt. Hast du in einem schriftlichen Prüfungsbereich schlechter als „ausreichend“ abgeschnitten, kannst du eine mündliche Ergänzungsprüfung beantragen, wenn sie für das Bestehen den Ausschlag geben kann. Bei Geomatiker/-innen muss unter anderem der Prüfungsbereich „Geodatenprozesse“ mindestens mit „ausreichend“ bestanden sein.
Eine Verkürzung der Ausbildung ist nach dem Berufsbildungsgesetz möglich, zum Beispiel mit Abitur oder guten Leistungen. Ob das bei dir passt, klärst du mit deinem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Stelle.
Was verdienst du in der Ausbildung?
Das hängt davon ab, wo du lernst. In einem privaten Vermessungsbüro ohne Tarifbindung gilt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Maßgeblich ist das Jahr, in dem deine Ausbildung beginnt. Bei einem Beginn im Jahr 2027 sind es mindestens:
- 764 Euro im ersten Ausbildungsjahr,
- 902 Euro im zweiten Ausbildungsjahr,
- 1.031 Euro im dritten Ausbildungsjahr.
Bei einem Beginn im Jahr 2026 lagen die Werte bei 724 Euro im ersten und 854 Euro im zweiten Jahr. Die Vergütung steigt also mit jedem Ausbildungsjahr. Tarifverträge können mehr vorsehen.
Im öffentlichen Dienst richtet sich deine Vergütung nach dem Tarifvertrag für Auszubildende. Das Landesamt für innere Verwaltung zahlt laut eigener Angabe nach dem Tarifvertrag für Auszubildende der Länder (TVA-L BBiG). Kommunale Behörden wie die Landkreise zahlen nach dem Tarifvertrag, der für sie gilt. Die aktuelle Höhe nennt dir deine Ausbildungsstelle in der Ausschreibung.
Vermessungstechniker/-in und Geomatiker/-in in Mecklenburg-Vorpommern
Zuständige Stelle für beide Berufe ist in MV das Landesamt für innere Verwaltung, Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen in Schwerin. Es nimmt diese Aufgabe nach § 73 BBiG wahr, laut eigener Angabe für die Ausbildung im öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft. Das gilt also auch, wenn du in einem privaten Vermessungsbüro lernst.
Das Landesamt stellt jedes Jahr zum 1. September Auszubildende zur Geomatikerin oder zum Geomatiker ein. Vermessungstechniker/-innen bildet es nach eigener Angabe derzeit nicht aus. Dafür wendest du dich an die Vermessungsbehörden der Landkreise und Städte und an private Büros. Für die Ausbildung beim Landesamt nennt es als Berufsschule das Regionale Berufliche Bildungszentrum der Landeshauptstadt Schwerin – Technik. Welche Berufsschule für dich gilt, sagt dir deine Ausbildungsstelle.
Betriebe aus deiner Region findest du im Azubi-Atlas nach Landkreis. Auf Ausbildungsmessen in MV sprichst du Ausbildungsstellen an.
Wie geht es nach der Ausbildung weiter?
Nach der Ausbildung arbeitest du in Behörden, Vermessungsbüros, Ingenieurbüros oder bei Unternehmen, die mit Geodaten arbeiten. Mit Berufserfahrung kannst du dich zur staatlich geprüften Technikerin oder zum staatlich geprüften Techniker weiterbilden.
Mit Fachhochschulreife oder Abitur kannst du auch studieren, etwa Geodäsie oder Geoinformatik. Was dich dort erwartet, steht im Beitrag zum Geodäsiestudium. Die Ausbildung ist dafür eine gute Grundlage, weil du Messverfahren und Software schon aus der Praxis kennst.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Vermessungstechniker/-in und Geomatiker/-in?
Als Vermessungstechniker/-in misst du vor allem selbst – im Gelände und mit anschließender Berechnung im Büro. Als Geomatiker/-in verarbeitest du Geodaten, baust GIS auf und gestaltest Karten. Das erste Ausbildungsjahr ist für beide Berufe gleich.
Kann ich die Ausbildung zum Vermessungstechniker in Rostock machen?
Ausbildungsstätten gibt es in ganz Mecklenburg-Vorpommern, vor allem bei den Vermessungsbehörden und in privaten Büros. Ob in Rostock oder im Landkreis Rostock gerade ein Platz frei ist, siehst du in den Ausschreibungen der Behörden und Büros und im Azubi-Atlas. Auch wenn du in Rostock lernst, ist das Landesamt für innere Verwaltung in Schwerin die zuständige Stelle für deine Ausbildung.
Wer ist für Geomatiker in MV zuständig?
Zuständige Stelle ist das Landesamt für innere Verwaltung in Schwerin. Nach eigener Angabe ist es für die Ausbildung in Behörden und in der freien Wirtschaft zuständig. Bei Fragen zu deinem Ausbildungsvertrag oder zu den Prüfungen wendest du dich dorthin.
Wie viel Mathe brauche ich?
Du solltest sicher mit Geometrie, Trigonometrie und Gleichungen umgehen können. In der Ausbildung rechnest du Koordinaten, Flächen und Höhen. Vieles übernimmt die Software, du musst die Ergebnisse aber prüfen und Fehler erkennen.
Bin ich als Vermessungstechniker/-in nur draußen?
Nein. Ein Teil deiner Arbeit findet im Gelände statt, ein anderer im Büro bei der Auswertung und Berechnung. Wie das Verhältnis aussieht, hängt von deinem Betrieb und den Aufträgen ab.
Weitere Infos
- Ausbildungsordnung GeoITAusbV: Verordnung über die Berufsausbildung in der Geoinformationstechnologie mit Dauer, Struktur und Prüfungen.
- Zuständige Stelle beim LAiV MV: Das LAiV ist nach § 73 BBiG zuständige Stelle für beide Berufe in MV, im öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft.
- Berufsausbildung beim LAiV MV: Lernorte, Dauer, Einstellungstermin und Bewerbung für die Ausbildung beim Landesamt für innere Verwaltung.
- Mindestausbildungsvergütung 2027 (BIBB): Werte der Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG für einen Ausbildungsbeginn 2027.