Ein Ausbildungsberuf ist ein staatlich anerkannter Beruf, den du in einer geregelten Berufsausbildung lernst. In Deutschland läuft sie meist dual, also im Betrieb und in der Berufsschule. Was du lernst, wie lange die Ausbildung dauert und wie du geprüft wirst, legt für jeden Beruf eine eigene Ausbildungsordnung fest. Wer schon länger in einem Beruf arbeitet, kann den Abschluss unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Ausbildung nachholen.
Klassische duale Berufsausbildung
In der dualen Berufsausbildung lernst du an zwei Orten. Im Ausbildungsbetrieb arbeitest du mit und übernimmst nach und nach eigene Aufgaben. In der Berufsschule lernst du die fachliche Theorie und hast daneben allgemeinbildende Fächer wie Deutsch sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Je nach Beruf findet der Unterricht an ein bis zwei Tagen pro Woche oder in mehrwöchigen Blöcken statt.
Grundlage ist ein Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb. Rechtlich geregelt ist die Ausbildung im Berufsbildungsgesetz (BBiG), für Handwerksberufe zusätzlich in der Handwerksordnung (HwO). Die zuständige Stelle ist meist die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer, bei manchen Berufen eine andere Kammer. Sie trägt deinen Vertrag ein, berät bei Problemen und nimmt die Prüfungen ab. Die Ausbildung beginnt mit einer Probezeit von einem bis vier Monaten.
Wie lange dauert eine Ausbildung?
Die Ausbildungsdauer liegt je nach Beruf zwischen zwei und dreieinhalb Jahren, die meisten Berufe dauern drei Jahre. Hast du Abitur oder Fachhochschulreife, können du und dein Betrieb bei der Kammer eine Verkürzung beantragen. Wie geprüft wird, steht in der Ausbildungsordnung. Manche Berufe haben eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung. Andere haben eine gestreckte Abschlussprüfung: Teil 1 legst du etwa zur Hälfte der Ausbildung ab, Teil 2 am Ende, und beide Teile zählen für das Ergebnis.
Was verdienst du in der Ausbildung?
In einer Ausbildung nach BBiG oder HwO bekommst du eine monatliche Ausbildungsvergütung. Sie steigt mit jedem Ausbildungsjahr. Ist dein Betrieb nicht an einen Tarifvertrag gebunden, gilt mindestens die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Maßgeblich ist das Jahr, in dem deine Ausbildung beginnt:
- Beginn 2026: 724 Euro im ersten und 854 Euro im zweiten Ausbildungsjahr.
- Beginn 2027: 764 Euro im ersten, 902 Euro im zweiten, 1.031 Euro im dritten und 1.070 Euro im vierten Ausbildungsjahr.
Tarifverträge können höhere Beträge vorsehen. Für die Pflegeausbildung gilt ein eigenes Gesetz. Für schulische Ausbildungen ohne Ausbildungsvertrag und für Beamtenausbildungen gilt die Mindestausbildungsvergütung nicht.
Anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) führt das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe. Darin stehen mehr als 300 Berufe. Die genaue Zahl ändert sich, weil Berufe neu geordnet, zusammengelegt oder neu geschaffen werden.
Für jeden anerkannten Beruf gibt es eine Ausbildungsordnung. Das BIBB erarbeitet sie gemeinsam mit Fachleuten aus Betrieben und Gewerkschaften. Erlassen wird sie vom zuständigen Bundesministerium als Verordnung. Die Ausbildungsordnungen der einzelnen Berufe legen fest:
- wie der Beruf offiziell heißt,
- wie lange die Ausbildung dauert,
- welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten du lernst,
- wie die Prüfung abläuft.
Zu jeder Ausbildungsordnung gehört ein Ausbildungsrahmenplan für den Betrieb. Für die Berufsschule gilt ein Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz. Weil diese Regeln bundesweit gelten, ist dein Abschluss überall in Deutschland gleich viel wert, egal ob du in Rostock oder in München gelernt hast. Bist du unter 18, darfst du nur in einem anerkannten Ausbildungsberuf ausgebildet werden (§ 4 Abs. 3 BBiG).
Liste der anerkannten Ausbildungsberufe in Deutschland (Auswahl)
| Ausbildungsberuf | Bereich | Dauer | Zuständige Stelle |
|---|---|---|---|
| Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel | Handel | 3 Jahre | IHK |
| Bankkaufmann/Bankkauffrau | Banken und Finanzdienstleistungen | 3 Jahre | IHK |
| Industriemechaniker/Industriemechanikerin | Industrie | 3,5 Jahre | IHK |
| Fachinformatiker/Fachinformatikerin | IT | 3 Jahre | IHK |
| Kraftfahrzeugmechatroniker/Kraftfahrzeugmechatronikerin | Kfz-Handwerk | 3,5 Jahre | Handwerkskammer |
| Elektroniker/Elektronikerin (Handwerk) | Elektrotechnik | 3,5 Jahre | Handwerkskammer |
| Medizinische Fachangestellte/Medizinischer Fachangestellter | Gesundheitswesen | 3 Jahre | Ärztekammer |
Daneben gibt es anerkannte Berufe im Handwerk, in Gastronomie und Hotellerie, in der Landwirtschaft, in der Logistik und im öffentlichen Dienst. Einige Berufe lernst du nicht dual, sondern schulisch an einer Berufsfachschule. Die Pflegeausbildung folgt einem eigenen Gesetz.
Beliebte Ausbildungsberufe in Deutschland
Die folgenden vier Berufe gehören zu den Berufen, in denen jedes Jahr besonders viele neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden:
- Kraftfahrzeugmechatroniker/-in: Du wartest, prüfst und reparierst Fahrzeuge. Fehler suchst du mit Diagnosegeräten, außerdem arbeitest du an Mechanik, Elektrik und Elektronik. Gearbeitet wird vor allem in Kfz-Werkstätten und Autohäusern.
- Elektroniker/-in: Du installierst und wartest elektrische Anlagen, etwa in Gebäuden, Maschinen oder Energieanlagen. Im Handwerk und in der Industrie gibt es mehrere Elektronikerberufe mit unterschiedlichen Fachrichtungen.
- Industriemechaniker/-in: Du baust Maschinen und Produktionsanlagen auf, hältst sie instand und reparierst sie, zum Beispiel im Maschinenbau oder in Produktionsbetrieben.
- Fachinformatiker/-in: Du betreust IT-Systeme und Netzwerke oder entwickelst Software. Es gibt vier Fachrichtungen: Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung.
Ob ein Beruf zu dir passt, hängt weniger davon ab, wie viele ihn wählen, als von deinen Interessen und Stärken. Ein Schülerpraktikum oder ein Ferienjob im Betrieb zeigt dir am schnellsten, wie der Arbeitsalltag aussieht.

Externe Regelungen und Abschlüsse
Einen anerkannten Berufsabschluss kannst du auch ohne reguläre Ausbildung erwerben, und zwar über die sogenannte Externenprüfung (§ 45 Abs. 2 BBiG, § 37 Abs. 2 HwO). Zugelassen wird, wer nachweist, mindestens das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungszeit in dem Beruf gearbeitet zu haben. Alternativ kannst du mit Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft machen, dass du die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten hast.
Über die Zulassung entscheidet die zuständige Kammer. Die Prüfung ist dieselbe wie für Auszubildende, und das Zeugnis ist gleichwertig. Viele bereiten sich in Vorbereitungskursen darauf vor.
Ein weiterer Weg ist die Umschulung, etwa wenn du deinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kannst. Außerdem können Berufserfahrene ihre Kompetenzen in einem Validierungsverfahren bei der Kammer mit einem Ausbildungsberuf vergleichen lassen. Diese Regeln gelten bundesweit. Welche Nachweise im Einzelfall nötig sind, erfährst du bei der zuständigen Kammer.
Ausbildungsberufe mit internationalem Bezug
Eine eigene Gruppe „internationaler Ausbildungsberufe“ gibt es nicht. In manchen Berufen hast du aber besonders viel mit Kundschaft und Geschäftspartnern aus dem Ausland zu tun:
- Tourismuskaufmann/-kauffrau (Kaufmann/-frau für Privat- und Geschäftsreisen): Du berätst Reisende, stellst Reisen zusammen und buchst sie, zum Beispiel im Reisebüro oder bei einem Reiseveranstalter.
- Industriekaufmann/-kauffrau: Du arbeitest in Einkauf, Vertrieb, Personal oder Rechnungswesen eines Industriebetriebs. Dazu kann auch die Abwicklung von Export- und Importgeschäften gehören.
- Mediengestalter/-in Digital und Print: Du gestaltest Medien für Druck und digitale Kanäle, etwa Anzeigen, Broschüren oder Webseiten.
Dein Abschluss gilt im Ausland nicht automatisch als gleichwertig. Die Europass-Zeugniserläuterungen beschreiben aber, was du gelernt hast, und helfen bei Bewerbungen in anderen Ländern. Einen Teil der Ausbildung kannst du im Ausland verbringen, bis zu einem Viertel der Ausbildungsdauer (§ 2 Abs. 3 BBiG). Gefördert wird das zum Beispiel über Erasmus+.
Ausbildungsberufe mit Bezug zu Umwelt und Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist inzwischen Teil jeder neuen oder modernisierten Ausbildung. Seit 2021 enthalten diese Ausbildungsordnungen die Pflicht-Inhalte „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“. Du lernst also in jedem Beruf, Material und Energie sparsam einzusetzen und Abfälle richtig zu entsorgen.
In einigen Berufen steht der Umgang mit Wasser, Abfall oder Verkehrsinfrastruktur im Mittelpunkt:
- Umwelttechnologe/-technologin: Seit 2024 gibt es vier Berufe – für Wasserversorgung, für Abwasserbewirtschaftung, für Kreislauf- und Abfallwirtschaft sowie für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen. Du betreibst und überwachst Anlagen, nimmst Proben und hältst Technik instand.
- Wasserbauer/-in: Du baust und unterhältst Ufer, Deiche, Schleusen und Wasserstraßen.
- Fachkraft für Straßen- und Verkehrstechnik: Du baust, unterhältst und sicherst Straßen und Verkehrsanlagen, meist in Straßenbauunternehmen oder Straßenbauämtern.
- Straßenwärter/-in: Du hältst Straßen instand, sicherst Baustellen ab und sorgst im Winter für befahrbare Straßen.
Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern
In MV gelten dieselben bundesweiten Ausbildungsordnungen wie überall in Deutschland. Für Ausbildungen in Industrie, Handel und Dienstleistungen ist eine der drei Industrie- und Handelskammern zuständig: die IHK zu Rostock, die IHK zu Schwerin oder die IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Für Handwerksberufe sind es die Handwerkskammer Schwerin und die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Maßgeblich ist jeweils der Sitz deines Ausbildungsbetriebs. Diese Kammer trägt deinen Vertrag ein und berät dich während der Ausbildung. Passende Betriebe in deiner Nähe findest du im Azubi-Atlas für MV, sortiert nach Landkreis. Betriebe persönlich kennenlernen kannst du auf den Ausbildungsmessen in MV.
Häufige Fragen
Wie viele anerkannte Ausbildungsberufe gibt es?
Das Verzeichnis des Bundesinstituts für Berufsbildung umfasst mehr als 300 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. Die Zahl schwankt leicht, weil regelmäßig Berufe neu geordnet oder zusammengelegt werden. Die aktuelle Liste veröffentlicht das BIBB jedes Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen dualer und schulischer Ausbildung?
In der dualen Ausbildung hast du einen Vertrag mit einem Betrieb, arbeitest dort mit und bekommst eine Vergütung. Eine schulische Ausbildung findet in Vollzeit an einer Berufsfachschule statt, ergänzt durch Praktika. Einen Ausbildungsvertrag mit Vergütung gibt es dabei meist nicht. Die Pflegeausbildung ist ein Sonderfall: Sie folgt einem eigenen Gesetz, und du bekommst eine Vergütung.
Kann ich meine Ausbildung verkürzen?
Ja, mit Abitur, Fachhochschulreife oder einer passenden Vorbildung ist eine Verkürzung möglich. Den Antrag stellen du und dein Betrieb gemeinsam bei der zuständigen Kammer. Bei sehr guten Leistungen kannst du außerdem vorzeitig zur Abschlussprüfung zugelassen werden.
Wie lange dauert die Probezeit in der Ausbildung?
Die Probezeit dauert mindestens einen und höchstens vier Monate (§ 20 BBiG). In dieser Zeit können du und der Betrieb den Vertrag ohne Frist und ohne Angabe von Gründen kündigen. Danach ist eine Kündigung nur noch unter engeren Voraussetzungen möglich.
